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Erfolgreiche Mitarbeiterbindung

 

Gregor Merlini und Birgit Pichler von der Radkersburger Metallwarenfabrik GmbH präsentierten beim Workshop „Faktor Mensch – Erfolgreiche Mitarbeiterbindung” am 25. Jänner im Impulszentrum Graz-West anhand von Praxisbeispielen, welche Wege man bei der Radkersburger Metallwarenfabrik GmbH beschritten hat, um MitarbeiterInnen im Unternehmen halten zu können.

Die spannendsten Fragen und die Antworten darauf in der anschließenden Diskussionsrunde haben wir für Sie zusammengefasst:

Warum ist Mitarbeiterbindung für die Radkersburger Metallwarenfabrik ein relevantes Thema?

Zum einen ist es die geografische Randlage, die es erschwert, Personal in der benötigten Qualifikation zu finden, zum anderen ist es die Veränderung des Unternehmens vom gewerblich strukturierten Unternehmen hin zu einem international agierenden Know-How Unternehmen, was auch eine Veränderung der Anforderungen an die MitarbeiterInnen bedeutet. Von der klassischen hierarchischen Unternehmensorganisation entwickelt sich das Unternehmen zu einer Hochleistungsorganisation, die spezifisch auf die hohen Kundenanforderungen reagiert und sowohl dem Zeitdruck als auch den Qualitätsanforderungen entsprechen muss. Dies gelingt nur, wenn die MitarbeiterInnen sich mit einem hohen Maß an Eigenverantwortlichkeit und Einsatzbereitschaft an den Arbeitsprozessen beteiligen. Hinter all diesen hohen Anforderungen muss es aber immer noch möglich sein, Freude und Erfüllung an der Arbeit zu finden.

Welche Möglichkeiten der Entwicklung gibt es für Lehrlinge?

Derzeit werden 15 Lehrlinge in der Radkersburger Metallwarenfabrik ausgebildet, wobei Sie das Triality-Programm des Landes Steiermark durchlaufen, das sich sehr positiv bewährt hat. Lehrlinge bilden eine ganz wesentliche personelle Grundlage für das Unternehmen, sie werden während ihrer Lehrzeit aktiv ins Unternehmensgeschehen integriert und es wird ihnen frühzeitig selbständige Arbeiten ermöglicht, wodurch sich das Engagement und die Freude an der Arbeit erhöht. Sie werden durch ihre spezifische und praxisorientierte Ausbildung zu Know-How-Trägern und erhöhen damit ihren „internen Marktwert” im Unternehmen. Von den 6 Teamleitern in der Fertigung sind 5 ehemalige Lehrlinge.

Welche Möglichkeiten der finanziellen Weiterentwicklung gibt es für die MitarbeiterInnen?

Das Gehalt ist einer von mehreren Faktoren für die MitarbeiterInnenzufriedenheit und Mitarbeiterbindung, Geld kann eine funktionierende Arbeitsbeziehung und ein gutes Arbeitsklima nicht kompensieren. Die Grundlage für die Entgeltlogik ist die Bewertung durch den Produktionsleiter auf Basis der Personaleinsatzmatrix, die neben den fachlichen Kenntnissen auch soft skills umfasst, wie z.B. Einsatzbereitschaft oder Ordnung und Sauberkeit. Es gibt 4 Niveaus der fachlichen Arbeit: Bedienen, Optimieren, Programm erstellen, Rüsten; mit jedem Mitarbeiter werden laufend Gespräche geführt, wo auch die Gehaltseinstufung besprochen werden kann, daraus resultieren klare Vereinbarungen, die mit dem Erwerb konkreter fachlicher Kenntnisse verbunden sind.

Was ist der Nutzen für die MitarbeiterInnen aus dem Projekt „Team 06”, das zur Stärkung der Zusammenarbeit initiiert wurde?

Wichtig ist es, dass die MitarbeiterInnen unmittelbare Verbesserungen für ihre Arbeitsbedingungen erleben. Beispielsweise wurde eine „Klagemauer” eingerichtet, auf der MitarbeiterInnen all das vorbringen können, was sie in ihrer Arbeit beeinträchtigt. Diese Anregungen und Vorschläge werden aufgenommen und von einem nominierten Mitarbeiter bearbeitet, wobei nicht jede Anregung sinnvoll ist, jedoch der Einbringer dieser Anregung in jedem Fall eine begründete Rückmeldung bekommt. Ein weiterer Faktor, der von den MitarbeiterInnen als positiv empfunden wird, ist die Stärkung ihrer Eigenverantwortlichkeit für die Abwicklung ihrer Aufgaben und in der Gestaltung ihrer Arbeitsumgebung. Dass sich die Zufriedenheit der MitarbeiterInnen im Unternehmen erhöht hat, ist an der Bereitschaft zu arbeitsbedingten Überstunden erkennbar, oder auch an der Bereitschaft, in der Freizeit an Weiterbildungen teilzunehmen, wobei das Prinzip der Freiwilligkeit hier wesentlich ist. MitarbeiterInnen, die keine Überstunden leisten und die an keiner Weiterbildung teilnehmen, bleiben bei ihren bestehenden Arbeitsfeldern und Einstufungen.

Welche Aktivitäten gibt es für die Ausbildung der MitarbeiterInnen?

Mit Beginn dieses Jahres wurde mit großer Beteiligung aus der Belegschaft die Idee der RM-Akademie geboren. Diese soll dazu dienen, die Aus- und Weiterbildung im Unternehmen zu strukturieren, sie umfasst die Teile „Theoretisches Wissen”, „Praktisches Wissen” und „Betriebsspezifisches Wissen”. Vor allem die Wissensweitergabe innerhalb des Unternehmens wird als wesentlich gesehen, da hierbei vor allem jenes Know-How vermittelt wird, das im Unternehmen benötigt wird. Eine wichtige Zielgruppe für Qualifizierungen sind die Anlernkräfte, die dadurch eine Chance zur beruflichen Weiterentwicklung erhalten. Ca. 2-3 Schulungstage werden pro MitarbeiterIn jährlich aufgewendet.

Wie gehen Sie bei der Trennung von MitarbeiterInnen um?

Die Fluktuation bei RM war bisher sehr gering, im Zuge des Wachstums und der neuen Anforderungen an das Unternehmen und die MitarbeiterInnen kann es aber auch zu Trennungen kommen. Dabei wird ein persönliches Austrittsgespräch geführt, um die Ursachen zu ermitteln, und einen respektvollen Abschied vom Unternehmen zu ermöglichen. Es wird jedoch nicht versucht, Mitarbeiter um jeden Preis zu halten, sondern die Entscheidung zu respektieren. Wenn die Trennung wertschätzend erfolgt, ist es auch möglich, in weiter Folge Mitarbeiter wieder aufzunehmen, wenn sie ins Unternehmen zurückkehren wollen.

Werden Mitarbeitergespräche geführt?

Neben den laufenden arbeitsbezogenen Gesprächen, Besprechungen und Kontakten gibt es auch mindestens einmal pro Jahr ein Mitarbeitergespräch, in dem die Zusammenarbeit und die weitere Zukunft besprochen werden, die Vereinbarungen werden schriftlich fixiert und im Personalakt dokumentiert..

Welche Änderungen hat es auf der Organisationsebene durch das Projekt „Team 06”gegeben?

Vereinfacht ausgedückt kann man sagen: Wir reden jetzt einfach viel mehr miteinander, und das auf allen Ebenen, quer über Hierarchien und Bereiche hinweg. Konkret gibt es auch Strukturen für diesen Austausch, z.B. tägliche Produktionsbesprechungen, Besprechungen zum Thema Verkauf, oder Teambesprechungen in der Fertigung. Diese Besprechungen werden intern moderiert, es gibt Maßnahmenlisten, die als Grundlage für die Dokumentation und Verfolgung der Vereinbarungen dienen. Der Zeitaufwand für die Besprechungen ist hoch, jedoch erleichtert es die Arbeit und erspart Zeit für Korrekturen und Fehler. Weitere Änderungen auf Organisationsebene sind die Etablierung der Funktion „Office-Management”, die alle Verwaltungstätigkeiten koordiniert und mit dem Fertigungsbereich abstimmt, sowie den Prozess „Team 06” im Unternehmen weiterführt. Weiters wurde ein Leiter für den Fertigungsbereich gefunden, der mit seinem Know-How aus dem Automobilebereich wertvolle Anregungen einbringt und den „direkten Draht” zu den MitarbeiterInnen im Fertigungsbereich pflegt. Zum Thema Information wurden in allen Fertigungsbereiche Infoboards aufgestellt, auf denen die Verläufe der wesentlichen Kennzahlen ersichtlich sind (Qualität, Produktivität, Ausschuss, Auftragserfüllungs-Status, …). Auch über das PDE-System (Produktionsdatenerfassung) können MitarbeiterInnen aktuelle Informationen abrufen, so wird Information von der Bringschuld zur Holschuld.

Wie wichtig ist der Zusammenhalt unter den MitarbeiterInnen und der persönliche Kontakt untereinander?

Bei einem Unternehmen unserer Größenordnung mit derzeit 100 MitarbeiterInnen ist es noch möglich, einen aktiven und intensiven Kontakt von Seiten der Geschäftsführung und Führungskräfte mit allen MitarbeiterInnen zu pflegen. Wir unterstützen gerne alle Aktivitäten zur Förderung der Gemeinschaft und nehmen selbst auch daran teil, wichtig ist uns aber, dass diese Aktivitäten nicht von oben „aufgesetzt” sind, sondern durch die MitarbeiterInnen selbst initiiert werden. Dies reicht von Fahrradausflügen, Kegelabenden bis zu Weihnachtsfeiern oder Feiern mit unseren Lehrlingen als Anerkennung ihrer guten schulischen und betrieblichen Leistungen.

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