Im Gespräch mit...
Reinhard Willfort - Experte für Wissensmanagement und Geschäftsführer von isn-innovation service network Gmbh - im Gespräch mit Petra Oberger über Wissensmanagement für KMU.
Was verstehen Sie unter Wissensmanagement?
Wissensintensive Wertschöpfung am Wirtschaftsstandort Österreich rückt das vorhandene Wissen bzw. die genutzte Wissensbasis einer Organisation immer mehr in den Mittelpunkt der Managementaktivitäten. Unter Wissens-management versteht man daher das Management eines Unternehmens unter besonderer Berücksichtigung des vorhandenen Wissens. Insofern kann für Wissens-management auch der Begriff „wissensorientierte Unternehmensführung” verwendet werden.
Ist Wissensmanagement Ihrer Meinung nach auch für KMU wichtig? Welche Vorteile haben KMU, wenn Sie sich mit Wissensmanagement beschäftigen?
KMU ist nicht gleich KMU, das zeigt auch das Interesse an Wissensmanagement. Während in dynamischen, innovationsorientierten KMU der Umgang mit Wissen schon heute ein zentraler Wettbewerbsfaktor ist, findet man z.B. in den traditionellen Handwerksbetrieben selten Aktivitäten dazu. Nachdem sich wertvolles Wissen aber auch im Zeitalter der Informationstechnologie in den Köpfen der MitarbeiterInnen befindet, kann Wissensmanagement die Wettbewerbsfähigkeit verbessern und den nachhaltigen Bestand eines Unternehmens sichern. Es geht also darum die interne Wissensbasis besser abzusichern und durch die Einbeziehung externer Leistungspartner den Vorteil von vernetzten Wertschöpfungsketten zu nützen.
Wo sehen Sie Probleme von Wissensmanagementaktivitäten in der Praxis?
Erst „Leiden schafft Innovation”, das ist besonders bei zukunftsorientierten Themen wie Wissensmanagement immer wieder zu bemerken. In vielen KMU fehlt die Motivation aber auch die Kapazität sich vorausschauend mit dem Thema Wissensmanagement auseinander zu setzten. Neun von zehn Unternehmen sind nicht darauf vorbereitet, wenn wertvolles Wissen kurzfristig nicht mehr verfügbar ist, was z.B. durch einen Ausfall einer Schlüsselperson jederzeit passieren kann. Wenn man noch bedenkt, dass in KMU sehr viel Wissen auf wenige Personen konzentriert ist, kann das fatale Folgen für so ein Unternehmen haben!
Welche Instrumente sind im Wissensmanagement vor allem für kleine Betriebe von Bedeutung?
Das kann man nicht pauschal beantworten, da es so viele unterschiedliche Ausprägungen von KMU gibt. Ein Instrument, das für ein Unternehmen passt und funktioniert, kann in einem anderen KMU kläglich scheitern. Wichtig ist zu Beginn einen Ist-Zustand der Wissensbasis und der Unternehmenskultur zu erheben. Erst dann kann man gezielte Aktivitäten starten, die zum Wissensmanagement-Reifegrad des KMU passen. Das kScan-Tool (Knowledge-Scan Tool) hat sich dazu sehr bewährt.
Haben Sie noch ein paar Tipps für die Einführung von Wissensmanagement in KMU?
Wenn man sich entschließt dem Thema Wissensmanagement mehr Aufmerksamkeit zu geben, dann muss das für alle Mitglieder der Organisation transparent und von den Führungskräften oder EigentümerInnen getragen werden. Vor einigen Jahren war man noch der Meinung, dass durch die Einführung eines neuen EDV-Systems auch das Wissensmanagement eines Unternehmens erledigt ist. In Wirklichkeit hatte man danach mehr Wissensprobleme als zuvor. Es geht darum eine Situation herzustellen, die Wissensmanagement für alle Beteiligten „spürbar” macht und zwar in wenigen Monaten! Dazu eignet sich Technologie nur bedingt.
Der Nutzen für Unternehmen und MitarbeiterInnen muss also von Anfang an klar sein und muss sich auch in kurzer Zeit einstellen. Das kann nur dann gelingen wenn man Wissensmanagement von Anfang an in die wertschöpfenden Abläufe integriert und Raum für die Entfaltung des „Wissensträgers Mensch” schafft. Wissensmanagement muss im Tagesgeschäft spürbar werden und den MitarbeiterInnen eine Perspektive für die Zukunft im KMU bringen.
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